Durchführung einer sozialpsychatrischen Konferenz
Die Verwaltung wird beauftragt, im kommenden Jahr eine sozialpsychiatrische Konferenz durchzuführen.
Als Kooperationspartner für die Konferenz sollen die sozialpsychiatrischen Dienste, das Zentrum für Integrative Psychiatrie am UKSH, die freien Trägern der psychosozialen Versorgung, Krankenkassen, Selbsthilfegruppen, Betroffenenvertretungen, Kieler Beratungsstellen, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen sowie alle anderen im Bereich der Sozialpsychiatrie tätigen Akteure in der Landeshauptstadt Kiel und ggf. weitere relevante Akteure angefragt werden.
Ziel der sozialpsychiatrischen Konferenz ist es,
- die aktuelle Versorgungssituation psychisch erkrankter Menschen in Kiel zu analysieren,
- bestehende Versorgungslücken zu identifizieren,
- Verbesserungsvorschläge und Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung der sozialpsychiatrischen Versorgung zu erarbeiten,
- Kooperationen zwischen Institutionen und Angeboten zu stärken sowie
- Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen zu fördern.
Die Ergebnisse der Konferenz sollen in einem Bericht zusammengefasst und den politischen Gremien zur weiteren Beratung vorgelegt werden.
Begründung
Die psychosozialen Belastungen vieler Menschen in Kiel nehmen seit Jahren deutlich zu. Steigende Lebenshaltungskosten, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Wohnungsnot, Einsamkeit und gesellschaftlicher Leistungsdruck führen bei immer mehr Menschen zu psychischen Krisen. Diese Entwicklung betrifft längst nicht mehr nur Einzelne, sondern hat sich zu einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung entwickelt.
Psychische Erkrankungen sind heute eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und soziale Ausgrenzung. Gleichzeitig sind die bestehenden Unterstützungsangebote oftmals überlastet oder unterfinanziert. Termine in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung sind schwer zu bekommen, sozialpsychiatrische Dienste arbeiten an der Belastungsgrenze, und viele Betroffene wissen gar nicht, an wen sie sich überhaupt wenden können. Besonders Menschen mit geringem Einkommen, Erwerbslose, Jugendliche und Alleinerziehende sind in besonderem Maße betroffen.
Vor diesem Hintergrund braucht es eine koordinierte, sozial gerechte und solidarische Antwort auf die wachsenden psychischen Belastungen in unserer Stadt. Eine sozialpsychiatrische Konferenz kann hierfür einen wichtigen Impuls geben. Sie soll Vertreter*innen aus Verwaltung, Kliniken, freien Trägern, Selbsthilfegruppen, sozialpsychiatrischen Diensten, Schulen, Beratungsstellen sowie Betroffenen- und Angehörigeninitiativen an einen Tisch bringen. Ziel ist es, die aktuelle Versorgungslage in Kiel gemeinsam zu analysieren, Versorgungslücken zu identifizieren und konkrete Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.
Eine solche Konferenz kann helfen, Schnittstellenprobleme zwischen medizinischen, sozialen und präventiven Angeboten zu verringern, Kooperationen zu fördern und neue Formen der niedrigschwelligen Unterstützung zu entwickeln. Gleichzeitig bietet sie Raum, um über Wege der Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen und über gesellschaftliche Ursachen von psychischer Belastung zu sprechen – etwa Armut, soziale Isolation oder Unsicherheit auf dem Wohn- und Arbeitsmarkt.
Keine Kieler*in darf mit psychischen Problemen allein gelassen werden. Mit der Durchführung einer sozialpsychiatrischen Konferenz übernimmt die Stadt Kiel Verantwortung für eine solidarische, menschenwürdige und integrierte psychosoziale Versorgung, die allen zugutekommt – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder sozialem Status.
Vorgang im Infosystem Kommunalpolitik:
Antrag der Ratsfraktion DIE LINKE / DIE PARTEI – 1197/2025
Status: Vom Ausschuss für Soziales, Wohnen und Gesundheit bis Februar 2026 zurückgestellt.
